Warum lässt sich der Mensch seine Freiheit immer wieder nehmen? Warum oft so bereitwillig? Warum wählt er sogar diejenigen, die ankündigen, ihm die Freiheit zu nehmen,  immer wieder, trotz mehrfach schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit?

Um uns Freiheit zu nehmen, muss man uns etwas anderes dafür anbieten. Aber wir müssen das, was uns da angeboten wird, auch wirklich wollen, es muss einen hohen Wert für uns haben, und der muss höher sein als unsere eigene persönliche oder gesellschaftliche Freiheit. Und wenn uns noch nichts wertvoller erscheint als das, muss man es uns eben schmackhaft machen. Es ist wie in der Werbung. Man muss uns das Produkt als etwas vorstellen, was wir immer schon haben wollten, um es uns zu verkaufen. Man muss die Begierde danach in uns wecken, damit wir unser Geld hergeben.

Dieses Produkt, für das wir unsere Freiheiten so oft und so bereitwillig eintauschen, ist im Politischen meistens die Sicherheit. Sicherheit ist unser anderes Grundbedürfnis – also muss uns vorgegaukelt werden, die ganze viele Freiheit würde nur zu Bedrohungen führen, man müsse also Verbote machen, Freiheiten einschränken, Möglichkeiten abgeben, dann würden „die da oben“ schon dafür sorgen, dass wieder Ordnung und Sicherheit herrscht. 

Man legt uns Ketten an, um uns zu steuern und zu beherrschen, und um uns die Ketten schmackhaft zu machen, erzählt man uns, dass zu viel Freiheit unser Unglück wäre. Zu viel Freiheit mache einsam, egoistisch und krank. Die Freiheit des einen sei die Ursache für die Infektion und die Krankheit des anderen. Aber niemand will egoistisch genannt werden und rücksichtslos –  und so gewöhnen wir uns an unsere Ketten, mal mehr, mal weniger murrend, und werden zu glücklichen Sklaven.

Früher hat man sich gefragt: 

Wie sichern wir, dass der Staat, der Leviathan nicht zu übermächtig wird und seine Untertanen unterdrückt?

Diese Fragen stellen wir angesichts globaler Bedrohungen nicht mehr. 

Heute fragen wir uns eher: Wie kann der Staat uns schützen? Wie kann der Staat uns ein gutes Leben ermöglichen? Wie kann er uns etwas Gutes tun? Was kann er für unser Wohlbefinden tun? Kann er verhindern dass wir krank werden? Kann er uns sogar zu besseren Menschen machen? 

Deswegen sind die Oberhäupter des Staates keine einfachen Herrscher mehr. Sie sind zu Führern und Erziehern und Lehrern und Ärzten und Pflegern geworden, nicht mehr einfach nur Staatslenker. Sie führen uns wie Schüler oder Haustiere, und unsere ganze Existenz ist zu ihrer Angelegenheit geworden.

Sie meinen, sie müssen uns zähmen, isolieren, vereinzeln – zu unserem Schutz und dem der Risikogruppen freilich – sie müssen uns maßregeln: Ein verbindliches Maß auferlegen, Regeln der sozialen Distanz, Maßnahmen erfinden, uns Masken aufbinden oder uns durch Impfungen immun machen gegen die gefährlichen Erreger da draußen. Und manche von uns meinen: ja, man muss uns zähmen, aber es müssen halt die richtigen machen. Wir brauchen unseren Käfig, weil wir nicht wüssten, wo wir was zu essen herkriegen sollten, wenn wir aus dem Käfig ausbrechen würden. weiter