Wächter, wie weit ist es in der Nacht? Wächter, wie weit in der Nacht? 12 Der Wächter sagt: Der Morgen ist gekommen, und ⟨doch⟩ ist auch ⟨noch⟩ Nacht. Wollt ihr fragen, so fragt! Kommt noch einmal her! (Jesaja 21,11-12

Auch wir wissen weder Zeit noch Stunde, wann der Herr wiederkommen wird, aber wir erkennen, dass die Nacht schon weit vorgerückt ist und dass der Morgenstern schon in unseren Herzen aufgegangen ist. Deshalb liegt in der Aussage des Wächters ein tiefer Trost: Der Morgen kommt, d.h. der Herr kommt, um die Seinen zu sich zu holen in die ewige Herrlichkeit.

Aber dann fügt der Wächter noch hinzu – und das überrascht: „und auch die Nacht.“ Ja, nach der Entrückung wird es hier auf der Erde moralisch finster werden unter der Regie des Teufels selbst und Gott wird schreckliche Gerichte über die Menschen bringen.

Die Liebe des Christus und der Schrecken des Herrn treiben uns an, den Menschen das Evangelium zu bringen, solange noch Gnadenzeit ist. Wachen und warten wir wirklich? Maranatha – Der Herr kommt bald! So ermuntert nun einander mit diesen Worten!

Der Morgen kommt, aber die Nacht auch es kommt die Nacht, da niemand wirken kann (Joh. 9,4)

Wenn der Herr in Seinem Wort ein Bild gebraucht, dann sollten wir darüber nachdenken, was es bedeutet. Wofür steht «die Nacht»?

Die Nacht ist die Zeitspanne, während der die Sonne unserem Blickfeld entschwindet. Wie kommt die Nacht? Lärmend, auf einen Schlag, ganz überraschend? Nein, unmerklich wie das Morgengrauen, das einen neuen Tag ankündigt, so kommt auch die Nacht. Das Licht nimmt ab, und die Dunkelheit tritt an seine Stelle, ohne daß man es wahrnimmt. Ist aber die Nacht da, dann erkennt man es gezwungenermaßen. Ebenso verhält es sich mit dem Tag der Gnade; seine Helligkeit nimmt ab, ohne daß die Menschen es merken. Geräuschlos kommt die Nacht über die Welt. Wenn aber die Nacht des Gerichts da ist, werden die Menschen gezwungen sein, es zu erkennen.

Die Schatten breiten sich aus über der Welt, und doch leben die Menschen weiter, ohne es zu beachten – wie die Menschen zu Noahs Zeiten, die Noah in Treue gewarnt hatte, und die dennoch «nichts merkten, bis die Sintflut kam» (Matthäus 24,39). Auch in unseren Tagen kommt alles genau so, wie Jesus Christus es vorausgesagt hat. Sein Wort sollte unsere Herzen und Gewissen aufrütteln, und wir sollten mit unserem Meister ausrufen: «Ich muß die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.»

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