
1935 war Schalom Ben-Chorin als 22jähriger in das britische Mandatsgebiet Palästina eingewandert. Das unten wiedergegebene Gedicht entstand im Jahr 1939 (!), als wieder einmal eine Untersuchungskommission eine Teilung vorschlug. Zur gleichen Zeit wurden die Verfolgungen der Juden im Deutschen Reich immer schlimmer. Im Herbst 1939 brach der II. Weltkrieg aus.
Schalom Ben-Chorin (1939)
Wenn ich ein Fischlein wär
„Geteiltes Leid – ist halbes Leid“ –
Das trifft nicht immer zu,
Man teilt und feilt – doch ob das heilt…
Ich glaub’s nicht – glaubst es du?
Bis jetzt hat man sich nur gekeilt
Allein das Land blieb heil:
Was eh zu klein, jetzt wirds geteilt
Und jeder hat sein Teil!
Ob das so salomonisch ist –
Ich glaub’s nicht – glaubst es du?
Ich fürcht dass das mehr komisch ist
Und keinem bringt es Ruh.
Wenn zwei nicht satt zu kriegen sind
Mit einem Braten schon,
Ob die dann wohl zufrieden sind
Mit halber Portion?
Die Rechnung geht halt gar nicht auf
Wie man’s auch dreht und wend’t.
So hemmt man nicht des Schicksals Lauf
Wenn’s ringsherum schon brennt.
Ich weiß schon wie zu teilen wär,
Zu löschen auch der Brand:
Die Juden kriegen halt das Meer
Die Araber das Land.
Das nennt man dann binational
Ist auch humanitär.
Nur eins daran ist recht fatal:
Was tut ein Jud im Meer?
Ach wenn ich nur ein Fischlein wär
Ein End hätt die Geschicht.
Ich schwämm vergnügt im blauen Meer…
Doch leider bin ich’s nicht.
Quelle: E-Mail