Die künftige Ampelkoalition diskutiert über eine Bahnreform: Grüne und FDP wollen den DB-Konzern aufspalten, die SPD ist dagegen. Wie auch immer es ausgeht, es kommt Bewegung auf die Schiene.

Die Deutsche Bahn AG ist ein merkwürdiger Konzern. Ein Zwitterwesen zwischen marktwirtschaftlich orientiertem Unternehmen und staatlicher Transportbehörde. Bahnfahrer bekommen dies tagtäglich zu spüren, wenn flotte Marketingsprüche auf die real existierende Schienenverkehrsrealität prallen.

Im ICE-Bordrestaurant etwa, dessen Speiseangebot sich an vegane Kantinen großstädtischer Startup-Coworking-Spaces anlehnt und Gerichte wie „Couscous-Salat mit Cashewkernen und Cranberrys“ verspricht. Doch beim Bestellen fühlt sich der Fahrgast eher an volkseigene Gastronomiebetriebe der untergegangenen DDR erinnert: Was es gibt, ist Glückssache. Demütige Bahnkunden sind schon froh, wenn wenigstens die Kaffeemaschine funktioniert.

Vermutlich ist die kulinarische Mangelwirtschaft auf Schienen nicht der Hauptgrund dafür, dass sich die derzeit verhandelnden Ampelkoalitionäre dem ungeliebten Dauerthema Bahnreform zuwenden. Wobei Politiker ja zu den Vielreisenden zählen und daher sicher wissen, von was hier die Rede ist. Der DB-Konzern, im Privatisierungsfieber der 1990er auf Börsentauglichkeit getrimmt und dann doch komplett in Staatshand belassen, hat jedenfalls noch eine Menge anderer und deutlich größerer Probleme. Notorische Unpünktlichkeit, Milliardenschulden und marode Infrastruktur machen die Deutsche Bahn zum Sanierungsfall.

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