Feigheit und Mut setzen beide sowohl die Furcht als auch das pflichtbewusste Gewissen voraus. Der Mutige folgt seinem Gewissen und seiner Pflicht, der Feigling aber folgt seiner Furcht, das ist der ganze Unterschied.

Ich höre dich sagen: »Ich bin doch kein Feigling«, und ich frage dich zurück: Niemals? Nein? Wirklich nicht, ganz sicher?

Wenn du also mit Sicherheit weißt, wenn jede Faser deines Wesens mir zu schwören vermag, dass du doch niemals nie nicht ein Feigling bist, dann lass mich dich schnell zurückfragen: Kannst du mir schnell sagen, was ein Feigling ist? Was ist deine Definition?

Eine Notiz: Ich meine deine Definition von Feigling, aber, wenn wir schon so trefflich spekulieren, dazu gern deine Definition im Sinne einer Definition dessen, was du bist.

Ich versuche es so: Ein Feigling fürchtet die unangenehmen Folgen der Handlung mehr als die moralische Last des Verweigerns.

»Ich bin kein Feigling«, so wird ein jeder von uns ausrufen, doch ich müsste lügen, wenn ich sagte, dass ich niemals feige gehandelt hätte. Wobei ich als freischaffender Philosoph für meine Feigheit stets eine recht moralisch tönende Begründung vorzuweisen vermag, und mitunter überzeugt sie mich sogar selbst.

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