BERLIN – Eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP als nächste Bundesregierung wird immer wahrscheinlicher. Viele FDP-Funktionäre können deswegen schon jetzt vor Kraft kaum laufen. Die Parteistrategen bemühen sich redlich, die Basis dieses Erfolgs als selbstgemacht darzustellen.

Im Ergebnis führt FDP-Vorsitzender Christian Lindner nun Koalitionsverhandlungen mit Annalena Baerbock und Robert Habeck. Noch vor wenigen Wochen hätte man dies als Treppenwitz der Geschichte abgetan. Und sogar in der zukünftigen Berliner Landesregierung könnte der vor allem für parteiinterne Intrigen bekannte Hauptstadtverband der Freidemokraten einen Teil ausmachen. Unter einer als Plagiatorin überführten sozialdemokratischen Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey, gegen die nur Tage zuvor noch Gift und Galle versprüht wurde, will die FDP dann die Mangelwirtschaft der failed city verwalten.

Sowohl FDP als auch Bündnis 90/Die Grünen bieten nach der Wahl alles auf, was die hohe Kunst der politischen Kommunikation hergibt. Ein geschickt choreografiertes Selfie, zur gleichen Zeit und mit demselben Text in liberalen und grünen Social-Media-Kanälen gepostet, macht vielen Deutschen nach 16 Jahren lähmender Merkel-Herrschaft Hoffnung auf Veränderung. Alles was anders ist, ist gut, lautet das Motto, das Konservative wie Linke dieser Tage eint. Das sagt viel über den Zustand dieses Landes aus.

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