Als Junge willst du ein Held werden. Später versteht du den Bösewicht. Zuletzt hoffst du, mehr als ein Statist in den Statistiken gewesen zu sein.

Die Kinder sind in der Schule, Elli ist in wichtiger Angelegenheit unterwegs, der Hund des Nachbarn schlummert lieb neben mir auf der Tagesdecke.

Die Fenster sind offen und der Wind weht durchs Haus, über mein Gesicht, und wieder in die Freiheit auf der anderen Seite.

Wir sind unter uns, lieber Leser, und ich darf Ihnen etwas gestehen, was meine Kinder nicht hören sollten: Dieser Essayist und deren Vater hat, als er selbst ein Kind war, bei Gelegenheit die Schule geschwänzt.

Ja, ich habe blaugemacht.

Und wenn ich blaugemacht habe, bin ich durch die Straßen Kölns spaziert, immer mit demselben Ziel: Die Stadtbibliothek am Neumarkt.

In der Bibliothek las ich, was ich lesen wollte, nicht was der Lehrplan vorgab.

In der Bibliothek durfte ich mehrere Bücher nebeneinander aufschlagen und ich durfte abwechselnd lesen. Ein Comic, dann ein Sachbuch, dann etwas mit Geschichte, dann ein Buch über ferne Inseln oder über Psychologie? Alles möglich, alles ein Abenteuer!

In der Bibliothek waren die Stühle so viel weicher als die harten Stühlen der Schule. Die Stühle waren weich gepolstert, da standen sogar Sessel! Wie will man ordentlich denken, wenn man buchstäblich bretthart sitzen muss?

In der Bibliothek musste ich mir nicht anhören, was diese oder jene Geschichte angeblich »wirklich« bedeutet.

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