Ein Grund für den allgemeinen Niedergang dieses Landes dürfte auch darin zu suchen sein, dass viele Schülergenerationen nichts über den real existierenden Sozialismus gelernt haben. Zum Tag der deutschen Einheit.

Ohne Dringlichkeit, ohne Materialität ist Erinnerung nicht möglich“ (Hannah Arendt)

Neulich hatte ich ein Déjà-vu, als ich auf das Zitat aus einer Reportage von Steve B. Peinemann im Merian, Ausgabe „Schleswig-Holstein“ (Heft 12/1985, Seite 52f.), „Autostopp ins Abseits – Erlebnisse in lauenburgischen Randlagen“, stieß. Scharfsichtig schrieb er damals:

Der neue Tag findet mich in Lübeck an der Moltke-Brücke, wo die Wakenitz-Schiffe starten sollen. ‚Natürlich können Sie bis Ratzeburg durchlösen, das wird dann billiger‘, sagt der Jüngling in Uniformjacke … ‚Wir wollen‘, sagt der Schiffsführer, ‚uns hier nicht mit Politik aufhalten, sondern die wunderbare Landschaft genießen.‘ Bei sonnenblauer Hitze zieht auf dem linken Ufer die offene deutsche Frage an uns vorbei. Keinen kümmert das: Dies könnte auch Italien sein oder Mallorca. Wieder zwinge ich einer Schülergruppe ein Gespräch auf und erhalte die gewohnten Antworten: Klassenreise, den Schiffsausflug mitnehmen, die Grenze im Unterricht nicht durchgenommen, wieso auch.

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