»Manche Leute fürchten die Freiheit mehr als die Gefangenschaft – und ich fürchte diese Leute.«

Es war einmal ein Hund, der fürchtete sich immerzu. Vor dem Staubsauger fürchtete er sich. Vor dem Sturm fürchtete er sich. Wenn sein Frauchen am Klavier sich zum Stakkato in die Tasten stemmte, auch dann fürchtete er sich, und dann zitterte er ganz erbärmlich an allen vier seiner viel zu kurzen Gliedmaßen!

Die Besitzer jenes Hundes, sie fanden es beinahe niedlich, wenn der bange Hund wieder mal Nerven zeigte. Wenn das Tier wieder tippelte, wenn es wieder mal winselte, wenn es wieder hilflos die Zähnlein fletschte, dann juchzten sie: »Oh, wie süß!«, und sie bedauerten es auch: »Kleines Dummerchen!«

Ja, wenn das Tier sich fürchtete, dann streichelten sie ihren kleinen Hund, dann nahmen sie ihn hoch, und sie waren lieb zu ihm, sie waren außerordentlich lieb zu ihm – und doch, bei alldem, sie verachteten ihn.

Ja, sie verachteten das Tier, und sie verachteten es aus demselben Grund, aus welchem sie das Tier niedlich fanden, aus welchem sie das Tier trösteten, und warum sie das Hündchen, wörtlich wie bildlich gesprochen, auf den Arm nahmen.

Einen feigen Hund werden wir immer verachten, und dass wir ihn zugleich niedlich finden können, widerspricht dem nicht.

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