Man kann den Merkelismus, dieses gezielte Einknicken vor den Panikmedien, verachten oder verlachen. Eines jedoch kann man nicht: ihn ungerührt fortsetzen, als verberge sich dahinter ein neuer, zeitgeist- oder gar zukunftskonformer Typus von Politik. Ohne die abgegangene Galionsfigur gähnt an seiner Stelle nur der Abgrund eines billigen, sich selbst verschlingenden Opportunismus. Verächter hat es in den zurückliegenden Jahren, vor allem seit 2015, genug gegeben. Sie wurden, nicht zuletzt dank der Willfährigkeit der meisten Medien, mühelos von der Macht neutralisiert, so dass ihnen heute nur die Beteuerung bleibt, es gewusst, es gesagt zu haben. Aber was wird nicht alles gesagt. Nicht alles Gesagte ist angesagt und damit bleibt es so gut wie ungesagt

Die gläubige Angststarre vieler Mitbürger lässt sich auf vielerlei Weise interpretieren. Aber zu meinen, hier sei eine neue Art von Religion oder Kryptoreligion entstanden, verrät doch einen recht säkularisierten Begriff von Religion. Damit soll nicht bezweifelt werden, dass große Teile der Kirchen es sich in ihm bereits bequem gemacht haben. Wo immer Angst gesellschaftsfähig wird, springen die Sensoren dieser Glaubensvertreter an und man will dabei sein, den Menschen ein Angebot machen und wie die gedrechselten Worte lauten. In diesem Falle durch eine vorbildliche Bravheit, die historisch ihresgleichen sucht, wenn man die waffensegnenden Zeiten einmal außer Acht lässt. Wer immer den Ring der Angst aufsprengen möchte, darf sich daher der Waffen säkularer Religionskritik bedienen. Er riskiert allerdings, dass seine Bemühung als wertvolle Bereicherung in Bezug auf die Tiefenaspekte des „Traumas“ gedeutet wird und eher dabei hilft, das Ende hinauszuzögern.

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