Soll man noch argumentieren, kluge Logik und wichtige Fakten präsentieren, wenn die große Debatte sich nicht um Logik oder Fakten schert?

enn Sie eine leichte Vogelfeder und eine schwere Stahlkugel gleichzeitig fallen lassen, welches von den beiden Objekten schlägt zuerst auf den Boden auf? – Die Stahlkugel natürlich! Die Kugel hat längst eine Delle gehauen, während die Feder noch sanft durch die Luft schaukelt.

Wie wäre es aber mit zwei Kugeln, von denen die eine aus leichtem Plastik besteht, die andere aber wieder aus schwerem Stahl, womit sie beide denselben Luftwiderstand erfahren? Ach, nehmen wir noch an, dass die Kugeln in einem Vakuum fallengelassen werden, beide ganz ohne Luftwiderstand. Welche Kugel fällt dann schneller? Oder fallen sie beide gleich schnell? Immerhin müssten doch bei unterschiedlichem Gewicht auf beide Kugeln unterschiedliche Kräfte wirken, oder?

Nun, wenn Sie meinen, dass die schwerere Kugel oder schneller fällt, dann haben Sie einen wichtigen Gelehrten der Antike auf Ihrer Seite! In seiner Physik (siehe Wikipedia) geht Aristoteles davon aus, dass auf schwere Objekte, wenn sie fallen, stärkere Kräfte einwirken, als auf leichtere Objekte (Buch 4, Kapitel 8, siehe uralte deutsche Übersetzung auf zeno.org, oder neuere englische Übersetzung via classics.mit.edu).

Wenn wir es selbst testen, zwei deutlich unterschiedliche Gegenstände fallen zu lassen, dann kann nicht nur der Luftwiderstand uns einen Streich spielen! Unbewusst könnten wir dazu neigen, den schwereren Gegenstand etwas früher loszulassen, was ebenfalls die Intuition bekräftigen würde, dass das schwerere Objekt auch schneller fällt.

Wenn Sie als Leser die bislang von mir beschriebenen Szenarien mit verschieden schweren Kugeln »im Kopf mitgemacht« haben, dann praktizierten Sie hier etwas, das auch »Gedankenexperiment« genannt wird. Wir experimentierten, indem wir gedanklich Szenarien entwarfen, die sich auf allgemein bekannte Offensichtlichkeiten zurückführen lassen, auf welche sich alle Beteiligten schnell einigen können.

Die einfachste Intuition und damit wohl auch das erste Gedankenexperiment sagt uns, dass die schwere Stahlkugel schneller fällt als die leichte Plastikkugel, und das selbst in einem Vakuum, wo kein Luftwiderstand die Plastikkugel bremsen könnte.

Aus Drei wird Zwei

Jedoch, in der Schule lernten wir auch – wir erinnern uns vage – dass die Intuition in diesem Fall täuscht. Und wir haben vielleicht gehört, dass es der Legende nach ein gewisser Galileo Galilei war, der den Aristoteles darin widerlegte, indem er zeigte, dass die schwere Kugel ebenso schnell fällt wie die leichte (tatsächlich wurde es schon Jahrzehnte vor Galilei gezeigt).

Ja, es ist eine Legende, doch nur weil es wohl nicht genau so passierte, ist es noch nicht falsch! Der erste Teil der Legende besagt, dass Galilei auf den schiefen Turm von Pisa stieg, und zwei verschieden schwere Kugeln hinabfallen ließ.

Nach der alten Theorie sollte die schwerere Kugel schneller fallen als die leichte, und zwar proportional zum Gewichtsunterschied – tatsächlich fielen beide Kugeln gleich schnell.

Diese Erzählung geht weiter! Man soll dem Galilei nicht geglaubt haben, trotz des praktischen Experiments, und also bat er seine Zuhörer zum Gedankenexperiment (tatsächlich findet sich das folgende Gedankenexperiment mit den Ziegelsteinen schon früher bei Jean Baptiste Benedetti, siehe engl. Wikipedia).

Stellen wir uns einmal drei Ziegelsteine vor, die gleich viel wiegen und alle drei gleich geformt sind. – Niemand wird bestreiten, dass diese drei Ziegelsteine in gleicher Geschwindigkeit fallen.

Stellen wir uns nun weiter vor, dass zwei dieser drei Ziegelsteine recht nahe beieinander fallen – auch dann müssten doch alle drei Ziegelsteine gleich schnell fallen.

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