Es gibt Dinge, die möglich sind, sich aber nicht gehören. Das müsste eigentlich jedem Spitzenpolitiker Credo sein. In Deutschland scheint dem politischen Personal der Sinn fürs Peinliche längst abhandengekommen zu sein.

Lang ist es her, dass der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger Franz Josef Strauss (CSU) als den einzigen deutschen Politiker bezeichnet hat, dem das Gefühl für Peinlichkeit fehle. Schöne Zeiten, möchte man in der Rückschau sagen, vorausgesetzt, dass Enzensbergers Diagnose stimmte, was allerdings schon damals fraglich war; Strauss hatte zu viele Mitbewerber. Dass sich der Sinn fürs Peinliche unter den heute lebenden Politikern nahezu vollständig verloren hat, dürfte hingegen sicher sein. Flächendeckend, parteiübergreifend, ausnahmslos und überall braucht kein Politiker mehr Angst davor zu haben, sich öffentlich mit irgendetwas zu blamieren.

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