Wir waten durch einen Sumpf aus halben Wahrheiten und ganzen Lügen. Wer bitte glaubt denen noch irgendwas? Es ist geradezu erfrischend, wenn ein Politiker sich ehrlich macht und offen sagt: Ihr seid alle Versuchskaninchen!

In der Krise könnte Demokratie nur dann als solche funktionieren und unbeschadet überleben, wenn das Volk in seelischen Angelegenheiten gebildet ist, auch in großen Entscheidungen bedächtig abwägt und seine Kreise gut zu ordnen weiß – ein Volk weiser Männer und Frauen.

Jedoch, es gibt kein Leben im Konjunktiv – dies ist eine Zeit mehrerer einander überlagernder Krisen.

Zu den »neunormalen« Krisen wie Migrations- und Coronakrise kommen die nicht weniger brennenden Krisen, die wir nicht auf dem Radar haben. Man könnte jene unsichtbaren Krisen mit dem kürzlich verstorbenen Donald Rumsfeld die »unknown unknowns« nennen, die unbekannten Unbekannten (ich erklärte es im »Zwischenstand« vom 25.4.2020).

Die mangelnde Allgemeinbildung in Sachen Software ist eine »unsichtbare Krise« (siehe dazu auch »Künstliche Intelligenz und Mäusespeck« (2019)). Besonders tückisch und tödlich aber sind virenartige Krisen, die aufgrund ihrer besonderen Beschaffenheit verhindern, dass die Befallenen (Individuen, Gesellschaften) die Krisen überhaupt merken oder gar lösen – namentlich etwa das, was ich die »Weisheitskrise« nannte (siehe Essay »Welche Krise haben wir heute?«).

Mein Essay vom 24.09.2018 trug den Titel: »Zeige mir eine lügende Regierung und ich zeige dir ein ausgeraubtes Land«. Darin beschrieb ich eine weitere Krise, die auch 2021 ihr hässliches Haupt aus den Abgründen der Unkultur reckt; ich schrieb: »Die Flüchtlingskrise ist zuerst eine Wahrheitskrise.« – Die Wahrheitskrise ist seitdem wahrlich nicht abgeklungen!

In Sachen Migration hat die Politik inzwischen de facto aufgegeben, die wahre Wahrheit hinter Lügen zu verstecken. Wofür noch Lügen erfinden, wenn man einfach jeden, der Kritik am nationalsuizidalen Wahnsinn übt, von der Propaganda fertigmachen lassen kann?

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