Eine Übersicht der Einkommensströme der Taliban zeigt: Es wird schwierig für den Westen, finanziellen Druck auf die Gruppierung auszuüben.

Afghanische Landwirte auf einem Mohnfeld in der Nangarhar-Provinz, das zur Opiumgewinnung dient.

Gelder aus dem Drogengeschäft bilden seit dem Einmarsch der Sowjetunion Ende der siebziger Jahre das Schmiermittel für bewaffnete Konflikte in Afghanistan. Sie machten die Taliban nach ihrer Gründung Mitte der neunziger Jahre gross und dürften auch jetzt wieder zur Finanzierung von Afghanistans Rückeroberung beigetragen haben.

Die Islamisten sind einerseits direkt in die Herstellung und den Transport der Betäubungsmittel involviert. Andererseits verlangen sie von Produzenten, Schmugglern und Landwirten Schutzgeld – aus Sicht der Taliban sind es Steuern – für die sichere Durchführung der Geschäfte.

Während früher der Anbau von Schlafmohn zur Opiumgewinnung und Heroinherstellung die Hauptrolle spielte, hat die Produktion von Metamphetamin – auch bekannt als Crystal Meth – in den vergangenen Jahren dank einem neuen, günstigeren Herstellungsverfahren rasant an Bedeutung gewonnen. Statt teurer Medikamente verwenden die Drogenhersteller das wild wachsende Ephedra-Kraut zur Gewinnung von Ephedrin, dem Vorläuferstoff von Metamphetamin.

Allein mit dem Opiumanbau sollen die Taliban laut einem Bericht des Uno-Sicherheitsrates 2020 bis zu 460 Mio. $ verdient haben. Das entspräche einem erheblichen Teil ihrer Gesamteinnahmen, die laut Uno zwischen 300 Mio. $ und 1,6 Mrd. $ gelegen haben sollen. Allerdings sind all diese Zahlen mit Unsicherheiten behaftet, wie die grosse Bandbreite zeigt.

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