„Wissenschaftler haben sich zu Kumpanen der Regierung gemacht“

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Der Philosoph Christoph Lütge war Mitglied im Bayerischen Ethikrat. Wegen abweichender Meinungen zu Corona wurde er im Februar 2021 entlassen. Im Interview berichtet Lütge von der politischen Indienstnahme der Wissenschaft, vom Druck auf die Stiko sowie von vollkommen falschen Wissenschaftsbegriffen.

Christoph Lütge ist Philosoph mit Schwerpunkt Wirtschaftsethik. Er ist Inhaber des Peter-Löscher-Stiftungslehrstuhls und Direktor des „Institute for Ethics in Artificial Intelligence“ an der Technischen Universität München. Bis Februar 2021 war Lütge Mitglied des Bayerischen Ethikrats. Wegen wiederholter Kritik an den Maßnahmen zur Corona-Eindämmung wurde er von der Landesregierung entlassen.

Herr Lütge, wie frei ist in Deutschland derzeit die Wissenschaft?
Eine schwierige Frage. Freiheit ist auf jeden Fall unser wichtigstes Kapital. Ohne Unabhängigkeit ist wissenschaftliche Expertise nichts wert. Das gilt sowohl für die Unabhängigkeit von der Politik, als auch für die von Wirtschaft, NGOs und anderen Institutionen. Wenn man von der Wissenschaft nur noch einmal bestätigt bekommen will, was man im Grunde genommen schon vorher zu wissen meint, dann ist das ganze Unterfangen sinnlos. 

Es gibt kaum eine Debatte, die diese Sinnlosigkeit derzeit besser dokumentiert, als die um die Kinderimpfung und die weiterhin fehlende Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko).
Der Fall offenbart für mich eine politische Krise. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat die Politik kommuniziert, dass sie nur das mache, was die Wissenschaft ihr vorgibt …

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