Eine Diskriminierung von Ungeimpften ist ethisch gerechtfertigt

Um die Impfquote zu erhöhen, ist eine indirekte und sogar direkte Impfpflicht im Gespräch. Aus ethischer Sicht spricht wenig gegen beide Varianten.

Ein Gastbeitrag von Thomas Beschorner und Martin Kolmar

Corona-Impfung: Zutritt ins Fußballstadion nur für Geimpfte? Es wäre eine Möglichkeit.

Thomas Beschorner ist Professor für Wirtschaftsethik und Direktor des Instituts für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen. Martin Kolmar ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Instituts für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen.

Unsere Gesellschaft ist coronamüde. Erneute Einschränkungen der individuellen Freiheit bis hin zu einem möglichen Lockdown im Falle einer vierten Welle werden aller Voraussicht nach auf eine deutlich geringere Akzeptanz bei den Menschen stoßen. Nicht nur diejenigen, die die Gefahren des Virus nicht sehen, sondern auch Geimpfte werden sich damit schwertun, Verständnis für Einschritte in das private wie öffentliche Leben und mögliche Einschränkungen ihrer Grundrechte aufzubringen.

Es ist auch gut möglich, dass sich die Konflikte in unserer Gesellschaft bei einem nächsten Lockdown noch einmal verstärken, wenn nämlich Impfverweigerer für die entsprechenden Maßnahmen verantwortlich gemacht werden – eine Minderheit, die der Mehrheit ihre Freiheit nimmt, so oder ähnlich könnte es dann heißen. Vor diesem Hintergrund ist es mehr als nachvollziehbar, dass man auf eine andere Strategie setzt, um der anhaltenden Pandemie Herr zu werden: die Erhöhung der Impfquote.

Für eine solche Strategie kann es keine idealen Lösungen, sondern lediglich bestmögliche Annäherungen im Spannungsfeld von Gesundheit, Freiheit und sozialem Frieden geben. Um die Diskussion einer Impfpflicht jedoch dürfte man gleichwohl nicht herumkommen. weiter