24 renommierte Autoren ziehen eine Bilanz der Ära Merkel. Und diese Bilanz ist so niederschmetternd, dass einem unwillkürlich das Schmähwort von der „Abrissbirne aus der Uckermark“ einfällt.

Vor vier Jahren ließ Philip Plickert, Wirtschaftsjournalist bei der FAZ und seit 2019 für die Zeitung aus London berichtend, 22 Autoren – Publizisten, Historiker, Juristen, Ökonomen, Politologen und Journalisten – aus dem liberalen und konservativen Milieu eine kritische Bilanz der Merkel-Jahre ziehen.

Seither ist die Schneise der Verwüstung, die Merkel schlug, nur noch breiter geworden. Herausgeber Plickert selbst bringt es auf den Punkt:

„Lässt man die 16 Merkel-Jahre Revue passieren, findet man mehrere planlose Entscheidungen und abrupte, opportunistische Wenden – mit gravierenden Konsequenzen für Deutschlands gesellschaftliche Stabilität und Wohlstand. Das von ihren Spin Doctors gezeichnete Bild einer Kanzlerin, die alle Dinge ,vom Ende her denkt‘, die kühl-naturwissenschaftlich die Konsequenzen, Chancen und Risiken abwägt, ist Fiktion. Vielmehr hat Merkel in entscheidenden Phasen – in der Euro-Krise, bei der Energiewende und in der Asylkrise – ohne Plan gehandelt. Sie fuhr ,auf Sicht‘ und hat sich dabei mehrfach verirrt. Bei der Energiewende ließ sie sich von Ängsten in Medien und Bevölkerung leiten. In der Migrationskrise hat sie kopflos gehandelt und nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa ein gewaltiges Problem aufgeladen.

Das erratische Management der Corona-Krise inklusive vermasselter Impfstoffbestellung, Maskenskandal, Intensivbettenschwindel und wiederholten Kehrtwenden, dazu immer repressivere Maßnahmen zur „Eindämmung“ des Virus kamen seit 2020 hinzu. Nun, da die Merkel-Ära sich endlich dem Ende zuneigt, haben die Autoren ihre Beiträge von 2017 aktualisiert, erweitert oder, im Fall des Politikwissenschaftlers Werner Patzelt, komplett überarbeitet: Sein Beitrag heißt jetzt „Merkels Erbe. Die Kanzlerin hat ihre Partei in eine äußerst schwierige Lage gebracht.“ Denn auch die CDU, in den 16 Merkel-Jahren vergrünt und sozialdemokratisiert, dazu personell geschwächt, steht jetzt schlechter da als zu Beginn ihrer Kanzlerschaft. Bevor Annalena Baerbock sich selbst in Rekordzeit entzauberte, sagten Umfragen ja tatsächlich voraus, dass die Union von den Grünen überrundet werden könnte.

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