Nach dem Abzug der letzten internationalen Truppen drohen Afghanistan die Machtübernahme der radikalen Taliban und ein wirtschaftlicher Niedergang. Viele Afghanen suchen ihr Heil in der Flucht. Einer von ihnen erzählt von seinem Entschluss.

Ein amerikanischer Soldat fliegt in einem Helikopter über die afghanische Hauptstadt Kabul. Bis spätestens zum 11. September sollen alle US-Truppen abgezogen sein. (2. März 2021)

Mein Name ist Fazelrabani Qazizai. Und ich will weg aus Afghanistan. Ich bin dreissig Jahre alt und habe meinen Bachelor in paschtunischer Literatur gemacht. Ich arbeite in einer Leitungsposition beim Afghan Center der Kabul University. Natürlich könnte man sich fragen, warum ich weg will. Immerhin geht es mir auf den ersten Blick sehr gut: Seit neun Jahren habe ich einen gut bezahlten Job an der renommiertesten Uni des Landes. Meine beiden Töchter sind drei Jahre und acht Monate alt – zuckersüss.

Ich lebe mit meiner Frau, meiner Mutter, meinen Kindern und meinen sieben Brüdern und deren Familien in einem Anwesen, das wir vor einigen Jahren in einem guten Viertel von Kabul gebaut haben. In unserem Garten wachsen Aprikosen, Pfirsiche, Äpfel, Weintrauben. Das Leben könnte wirklich schön sein. Aber ich kann nicht mehr. Ich fühle mich gezwungen, zu gehen. weiter