Im Ranking des Sozialprestiges spielen die Ärzte stabil ganz vorne mit. Kaum ein Beruf genießt in der Bevölkerung höheres Ansehen. Kein Wunder also, dass auch die Politik die enorme Glaubwürdigkeit des Arztberufes für sich urbar machen will. Aktuell hat es einer von ihnen sogar zum Chef des Bundeskanzleramtes gebracht. Andere reüssieren als „Ärzte zur Verhinderung des Atomkrieges“ oder Ärzte zur Rettung des Klimas. Eine ganz besondere Verlockung stellt naturgemäß die Instrumentalisierung des Arztberufes für die herrschende Corona-Politik dar. 

Dabei fallen zwei sehr unterschiedliche Typen von Medizinern auf. Am einen Ende der Skala sind zunächst einmal jene, die schon immer eine ausgeprägte politische Agenda hatten – und den Arztberuf eher als ein Vehikel zum Erreichen politischer Ziele betrachten. Und auf der anderen Seite jene, die sich viele Jahre voll auf ihre medizinischen Aufgaben konzentrierten – und dann erst von den Umständen politisiert wurden (viele liegen natürlich auch irgendwo dazwischen).

Wer sein medizinisches Handwerk beherrscht, macht im Verlauf seiner Arztkarriere sehr schnell die Erfahrung, dass medizinisches Können und Wollen nicht ausreicht, wenn politische Rahmenbedingungen dem entgegenlaufen. Es gibt kaum einen Politikbereich, der von Interessen-, Standes- und Lobbypolitik so durchflochten ist wie die Gesundheitspolitik. Es geht dabei nicht zuletzt um unheimlich viel Geld. Aktuell geht es sogar um unheimlich viel Macht, denn der Staat begehrt auch die Hoheit über den Körper des Bürgers und dessen Unterwerfung unter staatliche Maßgaben. Die Grundrechte klingen wie ein fernes Echo aus der Zeit vor 2020. Auch Ärzte befinden sich mit der Corona-Entwicklung auf einem anderen Planeten.

Jeder Arzt, der in Deutschland seine Approbation erhält, wird zwar nicht mehr auf den Eid des Hippokrates verpflichtet, aber immerhin auf die Berufsordnung der Ärztekammer. Diese enthält unter anderem das „Genfer Gelöbnis“, eine modernisierte Form des alten Schwurs. Diese ausdrückliche Verpflichtung zu ethischem ärztlichen Handeln wird von einigen Hochschulen in zentralen Feierstunden besonders herausgestellt (bislang zumindest). Dennoch enthält der hippokratische Eid einige moralische und ethische Aspekte, die heute noch modern sind. Dazu gehört beispielsweise das Gebot, den Kranken nicht zu schaden und Medikamente nur zum Patientennutzen zu verschreiben. Auch die ärztliche Schweigepflicht, heute noch eine wichtige Säule im Arzt-Patienten-Verhältnis, findet ihren Ursprung in dem Text. weiter