“Im Jahr 2020 erreicht uns eine globale Pandemie. Fünf Millionen Deutsche erkranken, von denen 5000-15000 Menschen dem Influenzavirus erliegen. Trotz des vergleichsweise geringen Ausmaßes der Pandemie in Deutschland – die Zahlen der Betroffenen sind auch für eine saisonale Influenza nicht unüblich – entstehen erhebliche Probleme: Die Stimmungslage in der Bevölkerung ist verunsichert und verängstigt. …”

Die zitierte Passage ist nicht aktuell. Sie stammt aus dem Jahre 2013. Im Jahre 2013 hat sich eine Gruppe von Angestellten des Fraunhofer Instituts und der “Zukünftige Technologien Consulting”, namentlich Ruth Schietke, Britta Pinzger, Thomas Werner, Andreas Hoffknecht, Olav Teichert, Matthias Braun und Joachim Schulze, mit “Szenarien und Handlungsoptionen” im Falle einer “Pandemischen Influenza in Deutschland 2020” befasst. Das Jahr 2020 ist deshalb das Jahr der Wahl für die Autoren, weil sie 2013 der Ansicht waren, dass sich “die gesellschaftlichen, technologischen und organisatorischen Rahmenbedingungen, die einen Einfluss auf den Verlauf einer pandemischen Influenza haben können, innerhalb der nächsten zehn Jahre deutlich verändern werden”. Zwar gelangt man bei Addition von 10 Jahren von 2013 aus ins Jahr 2023, aber lassen wir den Autoren diesen kleinen Lapsus in Grundrechenarten durchgehen.

Die Arbeit “Pandemische Influenza in Deutschland 2020” ist in weiten Teilen eine bombastisch aufgemachte Übung in Trivialitäten, die einen umfangreichen Methodenteil enthält, dem man indes keinerlei Hinweis darauf entnehmen kann, wie aus den 3.486.784.401 Senarien, denen sich die Autoren auf Grundlage von 20 Einflussfaktoren, die sie zusammengeklaubt haben (20 Einflussfaktoren, die jeder im Rahmen seines eigenen Brainstormings finden kann), mit jeweils drei Ausprägungen (wird mehr, bleibt gleich, wird weniger) nurmehr drei werden. Das Werk lebt in weiten Teilen davon, dass mit vielen Worten bedeckt wird, was alles nicht an Information gegeben wird, u.a. die Auswahl und Namen und Qualifikationen der “Experten”, die in einem “Workshop” ihre Einschätzung zu den “Auswirkungen der Szenarien” kund getan haben. Am Ende der Arbeit findet sich eine Liste von Namen, denen die Autoren ihren Dank aussprechen. Man kann vermuten, dass es sich bei den Genannten um die vermeintlichen Experten handelt, man kann es auch lassen. Wie dem auch sei, die Szenarien und Handlungsoptionen, die die Autoren für interessanterweise eine Influenza-Pandemie “erarbeiten”, eine Pandemie, die sich in den Szenarien nicht wesentlich von dem unterscheidet, was derzeit unter der Rubrik SARS-CoV-2 behandelt wird, ist eines dieser Planspiele, die ihre Leser eher in eine gedrückte Stimmung versetzen. Das ist nicht der Tatsache geschuldet, dass ein solches Planspiel durchgeführt wird, dass es Leute gibt, die sich auf kommende Pandemien vorbereiten wollen. Die unsäglichen deja vu Erlebnisse, die sich beim Lesen einstellen, sind die Ursache. Ein solches deja vu Erlebnis hatten wir schon einmal: weiter