Papst Franziskus hat für den heutigen 4. Februar 2021 zum Internationalen digitalen Tag der Geschwisterlichkeit aufgerufen. Er soll vor allem das Verhältnis der katholischen Kirche zu den Muslimen verbessern. In Kauf genommen wir dabei ein unerträgliche Hass auf die Juden, der die katholische Kirche um mehr als 100 Jahre zurückwirft. Ein Gastbeitrag von Stéphane Rateau
Das Thema der Geschwisterlichkeit hat der Papst unlängst in der vieldiskutierten Enzyklika Fratelli Tutti intensiv erörtert. Das Werk knüpft an Gedanken seines Vorbildes und Namensgebers Franz von Assisi, der sich an alle Schwestern und Brüder wandte, um für eine „dem Evangelium gerecht werdende Lebensweise“ zu werben. Eine intensive Beschäftigung mit der Enzyklika wirft jedoch schwerwiegende Fragen auf.
Franziskus ist dabei, wie er ausdrücklich betont, bei der Erörterung des Themas „Geschwisterlichkeit“ besonders inspiriert vom Dialog mit dem Kairoer Großimam Ahmad al-Tayyeb, den er vom 3. Bis zum 5. Februar 2019 in den Vereinigten Emiraten gehalten hat. Der Dialog mündet in einer gemeinsamen im Internet frei verfügbaren Erklärung zur „Geschwisterlichkeit“ vom 4. Februar 2019, was den Jahrestag der Geschwisterlichkeit begründen soll.
Der erste Satz des Dokumentes der Erklärung fasst den offensichtlichen Geist dieses Dialoges in besonderer Weise zusammen:
„Im Namen Gottes, der alle Menschen mit gleichen Rechten, gleichen Pflichten und gleicher Würde geschaffen hat und der sie dazu berufen hat, als Brüder und Schwestern miteinander zusammenzuleben, die Erde zu bevölkern und auf ihr die Werte des Guten, der Liebe und des Friedens zu verbreiten.“
Dies ist sicherlich Weise bemerkenswert im Lichte großer gegenwärtiger religiösen Spannungen zwischen den Menschen, insbesondere verschiedener Religionen und sogar Konfessionen innerhalb einer Religion. Diese Zusammenfassung ist aber auch das Maß, mit dem Taten und Worte gemessen werden müssen.
Es ist deshalb zunächst einmal angezeigt, den bei uns im Westen bislang ziemlich unbekannten Akteur al-Tayyeb näher zu beleuchten. weiter