Mein Traum von einer besseren Social-Media-Welt entpuppte sich als Illusion. Schnell sperrten mich die Betreiber der neuen Hype-App Clubhouse aus.
Von Anabel Schunke
Vergangene Woche gab es fast nur ein Thema: Clubhouse. Eine neuartige Social-Media-App, die ihren Usern die Möglichkeit gibt, virtuelle Räume zu erstellen, in denen ausnahmslos live und via Audiofunktion diskutiert wird. Keine Likes, keine schriftliche Kommentarfunktion und keine privaten Messages. Dafür erwartet den Nutzer die Möglichkeit einer unkomplizierten, losen Zusammenkunft zu verschiedensten Themen – von Tinder-Dating über Immobilien-Tipps bis hin zu politischen und journalistischen Diskussionen.
Dass die App in Zeiten von Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen für die meisten Nutzer eine willkommene Ablenkung von der Einsamkeit bietet, liegt auf der Hand. Zweifelsohne wirft das die Frage auf, ob der Hype den Lockdown überdauern wird. Fakt ist aber: Clubhouse mag spontan und unkompliziert für diejenigen sein, die hier und da mal als Zuhörer zu einer laufenden Diskussion stossen. Wer jedoch selbst schon einmal einen «Room» moderierte oder als sogenannter Speaker aktiv an der Diskussion teilnahm, weiss, dass das in der Regel volle Aufmerksamkeit erfordert und daher auch schon einmal zwei, drei oder mehr Stunden in Anspruch nehmen kann.
Vor 1800 Zuhörern denunziert
Auch und gerade deshalb lässt sich bereits jetzt eine gewisse elitäre Kluft erkennen zwischen jenen, die bequem im Home-Office arbeiten können, und denjenigen, die immer noch jeden Tag zur Arbeit fahren, um dort ihre acht Stunden Dienst oder mehr abzuleisten. Vor allem in Bezug auf politische Diskussionen sorgte dieser Umstand in Deutschland früh dafür, dass jene, die medial den Ton angeben, diese Deutungshoheit alsbald auch auf Clubhouse für sich beanspruchten. Und seitdem wird sie erfolgreich durchgesetzt.
Der rein sprachliche Austausch bietet einige Vorteile: Das Niveau der Diskussionen ist ansprechend. Anders als bei Twitter, Facebook und Co. können sich die User nicht hinter dem geschriebenen Wort verstecken. Die Hemmschwelle für üble Beleidigungen ist höher. Und vor allem: Es besteht die Möglichkeit, sich über politische Grenzen hinweg zu unterhalten – eigentlich.
Denn was die einen als Chance sehen, um auch ausserhalb der eigenen Blase ins Gespräch zu kommen, wird für andere schnell zur lästigen Begleiterscheinung, und sie verfallen ins Sich-gegenseitig-auf-die-Schulter-Klopfen. Dafür eignet sich die App hervorragend.
So fragte Anna-Mareike Krause, eine Journalistin, die früherer Head of Social Media bei Tagesschau.de der ARD war, ihre Follower kürzlich auf Twitter, wie man denn dazu käme, überhaupt mit mir auf Clubhouse zu reden. Für Krause bin ich nämlich eine böse Rechte, weil ich mich an einer Clubhouse-Debatte über den deutschen Journalismus beteiligte. Als freischaffende Journalistin nahm ich an, Inputs in diesem «Club-Room» liefern zu können.
Was darauf geschah, folgte altbekannten Twitter-Mustern: Zweieinhalb Stunden diskutierten deutsche Medienschaffende darüber, ob man mit Menschen wie mir reden dürfe. Zum Clubhouse-Meeting gesellten sich viele öffentlich-rechtliche Journalisten, die kein Problem darin sahen, das virtuelle Podium mit linksradikalen Aktivisten zu teilen. Weil ich mich ebenfalls einschaltete, hörte ich, wie ich vor 1800 Zuhörern als Nazi denunziert wurde. weiter