Es war im Februar 2015. Der damalige US-Vizepräsident Biden besuchte mit seiner 15-jährigen Enkelin Finnegan die Gedenkstätte in Dachau, „ganz privat“, und mit einem Konvoi von Fahrzeugen und einer großer Zahl an Bodyguards im Schlepptau. Joe Biden traf den inzwischen verstorbenen Auschwitz-Überlebenden und Vizepräsidenten des Internationalen Dachau-Komitees, Max Mannheimer. Gemeinsam mit der Leiterin und Historikerin Gabriele Hammermann begleitete er den Gast zu den Barackennachbauten, dem historischen Krematoriumsgebäude und der Gaskammer. Von Mannheimer war der Politiker sehr beeindruckt, weniger aber offenbar von der Gedenkstätte selbst. 2017 veröffentlichte Joe Biden ein autobiografisches Buch, in dem er der Gedenkstätte vorwarf, den Gedenkort umgestaltet zu haben, „um es für die Besucher weniger bedrückend zu machen“. Der Band „Versprich es mir“, damals in den USA ein Bestseller, liegt nun in deutscher Übersetzung vor. Die bislang nicht bemerkte Passage grub ein Journalist des Spiegel aus. Sein Urteil stützt Joe Biden auf mehrere Besuche der Gedenkstätte Dachau, in den Achtziger Jahren mit Sohn Beau, später mit Sohn Hunter und Tochter Ashley. Damals habe er Namen gesehen, die Häftlinge in die hölzernen Bettgestelle in den Baracken geritzt hätten. 2015 hingegen kamen ihm die Betten „sauber“, die Gestelle „frisch lackiert“ vor. Die „grausamen Einzelheiten“ seien über die Jahre „abgemildert“ worden, schrieb Biden. Nur, darin täuscht sich der künftige US-Präsident gründlich: Die originalen Häftlingsbaracken sind in den Jahren 1963 und 1964 abgerissen worden; bei den beiden Baracken handelt es sich um Nachbauten, die um 1965 errichtet worden sind – Namen von Häftlingen waren in den Bettgestellen nie eingeritzt. weiter
Joe Biden übt scharfe Kritik an KZ-Gedenkstätte Dachau
16 Samstag Jan 2021
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