von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 20. September 2020

Die Behörden in Israel, Gesundheitsministerium, Regierung und Polizei sind zunehmend ratlos. Am Freitag um 14 Uhr begann eine fast totale Ausgangssperre. Die Autobahnen sind verwaist und auf den Straßen dürfen sich die Bewohner maximal einen Kilometer von ihrer Wohnungstür bewegen. Wer nahe der Küste lebt, darf am Strand spazieren gehen. Aber im Wasser plantschen ist strikt verboten.

In Haifa musste die Polizei mehrfach anrücken, weil bei der Vischnitz-Synagoge große Menschenansammlungen gemeldet, natürlich ohne Maske und ohne Distanz zu halten.

Dann hat die Polizei mehrere „Naturparties“ aufgelöst. Jugendliche bestellen Lastwagen mit Generatoren, Verstärkern und Musikinstrumenten. Unter der Hand werden die genauen Orte der Lichtungen weitergegeben, wohin man zum Tanzen und Singen kommen sollte.

Die Polizei entdeckte mehrere dieser Veranstaltungen und verpasste den Organisatoren Strafzettel in Höhe von 1200 Euro. Diesmal mussten auch die Teilnehmer jeweils 120 Euro Strafe entrichten. Derweil saßen die Kernfamilien zuhause, nur mit den Kindern zum Neujahrsfest und steckten sich offenbar gegenseitig an. Es wurden 15.000 Tests gemacht und immerhin 5.000 Neuinfizierte entdeckt.

Bei den Beratungen nach diesen schockierenden Ergebnissen kam die Idee auf, ausgerechnet am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, am Monatsende, alle Synagogen in Israel zu verschließen.

Das wäre eine unerträglicher Schlag gegen die Frommen im Land, die ausgerechnet an diesem Feiertag zur völligen Untätigkeit verurteilt sind und deshalb zu den Synagogen strömen, um die traditionellen Gebete und das Blasen des Widderhorns (Schofar) zu hören.

(C) Ulrich W. Sahm