jetzt herrscht die Hungersnot erst zwei Jahre im Lande,
und fünf Jahre stehen noch bevor,
in denen kein Pflügen und kein Ernten stattfinden wird.«

1. Mose 45,6  (Menge 1927/1931)

Die Tage schrieb die Basler Zeitung (12.4.): “Der Schweiz droht eine Dürre wie vor zwei Jahren”, und Roger Perret von Meteonews wird zitiert: “Zünftiger Regen wäre ein Segen für Landwirtschaft und Natur.” – ein Segen? Ursprünglich ist »Segen« das, was aus Gottes Hand kommt, und es drückt unsere völlige Abhängigkeit vom Schöpfer aus. Doch wer hat in diesen Tagen noch diese Perspektive? Ist uns tatsächlich bewusst, wie sehr wir von Gott abhängig sind? Im Allgemeinen spricht man heute vorwiegend von dem, was man “der Natur” verdanke, und hat Gott ganz bewusst ausgeblendet.

Während wir so fast völlig auf die Corona-Krise fixiert sind, gibt es auf dieser Erde zusätzliche Katastrophen, die vielfach kaum wahrgenommen werden, vor Ort aber viel dringlicher sind: Die Staaten in Südostafrika (plus Pakistan in Asien) erleiden diese Tage einen massiven Einfall von riesigen Heuschreckenschwärmen, die in wenigen Minuten ganze Landstriche kahlfressen; und das, nachdem es anfangs des Jahres bereits eine erste Welle gab. Die Regierungen vermögen kaum zu helfen, die Bevölkerung ist der Zerstörung durch Billiarden gefrässiger Heuschrecken hilflos ausgeliefert; international verbinden sich Christen, um zu helfen, doch die Katastrophe ist viel zu gross … Hunger und Tod werden für Tausende folgen.

Das oben zitierte Bibelwort spricht von der Zeit, als in Ägypten auf sieben fette Jahre dann sieben magere Jahre folgten. Zugleich wurde damals die lenkende Fürsorge Gottes sichtbar, indem ER Joseph gebrauchte, das Volk – schlussendlich auch seine eigene Verwandtschaft – durch die sieben mageren Jahre hindurch zu versorgen … Sie alle waren sich damals dessen bewusst, wem sie ihr Überleben zu verdanken hatten, und deshalb gaben Sie Gott die Ehre!

Neben denen, die uns fast täglich zurufen, “Wir schaffen das!”, gibt es zunehmend Stimmen, die damit rechnen, dass wir bei uns gegen den Herbst auch mit Engpässen bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln zu rechnen haben. Werden begehrte Produkte knapp, so werden sie “teuer”. Das alte deutsche Wort für “Hungersnot” war “Teuerung”, und was selten war, das war “teuer”.

Spätestens an dieser Stelle sollten wir den Blick auf unsere Seelen richten, denn hier herrscht bereits schon jetzt weitgehend eine katastrophale Dürre. Und trotz Corona ist nicht erkennbar, dass die Seele des Einzelnen überhaupt beachtet wird. Stattdessen stehen die Gesundheit und die wirtschaftliche Existenz im Zentrum der Aufmerksamkeit; und wer seine Tage daheim verbringen muss, dem werden Spiele und TV-Filme empfohlen, Fitnessübungen und Backen. All dies aber nährt die menschlichen Seelen nicht.

In der Geschichte Israels gab es auch “teure” Zeiten; so lesen wir über die Jahre von Eli und Samuel: »Zu jener Zeit waren Offenbarungen Gottes selten« (vgl. 1. Sam. 3,1). Die Lutherbibel 1912 übersetzte hier: »des HERRN Wort war teuer«, also knapp, sehr selten. Heutzutage haben wir zwar über 50 verschiedene deutsche Bibelübersetzungen – doch man merkt kaum etwas davon, dass Gottes Wort gelesen, gehört und im Leben umgesetzt wird. Jesus sagt, dass Gottes Reden uns zur Nahrung dient, für die Seele, für den ganzen Menschen, so dass es Wirkung hat im Leben und im Denken; die Heilige Schrift soll Basis der Gesundung meiner Seele sein, das Fundament aller Ethik.

Gegen Dürre hilft Wasser, viel Wasser – und gegen die Trockenheit in uns hilft einzig: »wen dürstet, der komme [zu Jesus und] nehme das Wasser des Lebens umsonst« (Vgl. Offb.22,17).

© Pfarrer Reinhard Möller

Quelle