Von Hans

ZWISCHENBILANZ

Als mich meine Eltern 1949 in die Welt setzten, wuchs ich in einem zerstörten Deutschland auf. Es war mir ein Leben lang eine Freude zu sehen – und etwas daran mitzuwirken – diesem Land zu einer gewissen Perfektion und Kultiviertheit zurück zu verhelfen.

Mit meinem Erwachsenwerden hatte ich die Möglichkeit Deutschland in allen Ecken zu erkunden und auch seine verborgenen Seiten und Schönheiten kennen zu lernen. Ich fand das Land im Großen und Ganzen wunderbar, aber es war eine Innensicht.

Noch älter bin ich erst einige Jahre, und dann 17 Jahre am Stück, im Ausland gewesen und habe dort gewohnt und 67 Länder ausführlich kennenlernen dürfen. Da konnte ich vergleichen und von außen in mein Land hineinschauen. Eine ganz andere Perspektive.

Vor allem merkt man wie unwichtig und klein Deutschland ist.

Dann kam ich vor 5 Jahren zurück. Mein Freude wurde rasch getrübt. Ich hatte gehofft in das wundervolle Land, das meine Eltern und ich mit aufgebaut hatten, zurückzukehren. In ein Land wo man verantwortungsbewußt mit der Geschichte und den Arbeitsergebnissen der Vorgenerationen umgeht.

Aber ich kam in eine gigantische Klapse, eine Großpsychiatrie. Bevölkert von größenwahnsinnigen Weltverbesserern, durchgeknallten Ideologen, Zerstörern und Nötigern, Erpressern und Opportunisten. Regiert von einer megalomanen Nomenklatur mit totalitaristischen Attitüden.

Unterwandert von Systemveränderern und kulturfremden Aggressoren. Ausgebeutet von Umverteilern und Abgreifern.

Jetzt kneife ich mich 3 Mal täglich und frage mich: Bin ich nun irre oder die Anderen?

Noch fehlt mir das richtige Medikament. Gottlob waren wir nicht so wahnsinnig alles auf die Karte Deutschland zu setzen, sondern Fluchtwege offen zu halten.

Vermutlich brauchen wir sie schneller als wir dachten.