Ökumenischer Rat der Kirchen
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24.02.2005

Sehr geehrte Herren Bischöfe,

sehr geehrte LeiterInnen der Mitgliedskirchen,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

Entsetzt mussten wir von Ihrem Boykottaufruf gegen Firmen, die an der „israelischen Besatzung“ und „illegalen Maßnahmen“ gegen Palästinenser beteiligt sind und Exportartikel aus Israel hören.

 Ist das unserer Kirche würdig? NEIN!

 Was uns noch mehr schockiert, ist die Begründung desselben mit einem Bibelwort, nämlich Lukas 19, 42.

 Der Herr Jesus hat uns Liebe gelehrt. Wer Hass predigt … .

 Was hat die Kirche – evangelisch wie auch katholisch – dafür getan, dass die israelischen Schutzmassnahmen nicht nötig gewesen wären? Statt sich vehement gegen von der Palästinensischen Autonomieregierung gebilligten und ausgehenden Terrorismus zu äußern, wurde mit dieser gekuschelt; Israel hingegen immer wieder verdammt. Geht man so mit seinem Bruder um? NEIN!

Gerade jetzt, wo sich Israel und die palästinensische Autonomiebehörde nähern und große Zugeständnisse gemacht werden, kommen Sie mit Ihrem Boykott daher.

Sie werden sich sicher im Klaren darüber sein, dass sich die Kirche und allen christlichen Organisationen, die sich um Verständigung bemühen, mit diesem Aufruf einen Bärendienst erwiesen hat. Wir haben lange darum gekämpft, Vertrauen gegenüber Christen aus Deutschland aufzubauen. Jetzt stehen wir vor einem Scherbenhaufen.

 Es ist gerade einmal 60 Jahre her, dass sich auch große Teile der Kirche – dem EWIGEN sei Dank gab es auch den Zweig der bekennenden Kirche – gegen das Volk der Juden, gegen unser Brudervolk, so furchtbar verging.

Vergisst man so schnell, dass man im Jahre 2005 bereits wieder schreit: Kauft nicht bei Juden! Und alles geschieht unter dem frommen Deckmäntelchen der angeblichen Nächstenliebe.

 Da Sie Ihren Ent- bzw. Beschluss mit einer Bibelstelle begründen, wollen auch wir dies so halten: Römer 2, 10

 Voller Besorgnis über diesen Weg der Kirchen verbleiben

 

German Media Watch

– Redaktionsleitung –

 

Kopien gehen an die EKD und an die Katholische Kirche Deutschlands

Antwort: Keine