über „Rave-Aufstand“ in Berlin – Sie wollen den Systemwechsel — Cicero Online – Magazin für politische Kultur

Systemwechsel: Der Klimaprotest radikalisiert sich

Zwei Jungs in Schwarz klettern auf ein Straßenschild am Potsdamer Platz. Oben angekommen recken sie die Fäuste in den Himmel, lassen sich feiern, den knatternden Beat in der Luft und die Boxen im Rücken. Einer von ihnen zieht seinen Pullover hoch, darunter lugt ein Shirt mit dem Logo der Antifa hervor, eine rote Fahne. Der Junge schreit wie elektrisiert, rüttelt am Straßenschild, die Menge tobt.

An einem anderen Wagen tönt eine verzerrte Stimme aus den Lautsprechern: „Reclaim Club Culture lädt zum ‚System Change‘ ein — denn in einer kapitalistischen Welt gibt es nichts zu feiern“. Reclaim Club Culture: diese Berliner Feierbewegung, die sich für den Spirit von Untergrundclubs einsetzt, ist der Veranstalter dieser Demo. Viele andere kleine, linke Gruppen schlossen sich dem Aufruf an. Dazu gehören „Ungehorsam für alle“ und „Ende Gelände“. Erstere blockierte an diesem Freitagmorgen beispielsweise die Jannowitzbrücke. Die Welt traf deren Sprecherin Hannah Eberle, die sagte der Zeitung: „Uns geht es darum, die kapitalistischen Spielregeln zu unterbrechen“. Und in einem digitalen Leitfaden von „Reclaim Club Culture“ heißt es: „Sprecht euch in eurer Gruppe ab, was ihr machen wollt und wie weit ihr geht.“

Wie weit wird das gehen?

Immer wieder hört und liest man hier „System Change — not Climate Change“. Eine linksradikale Parole, die schon auf der Friday For Future-Demo am Berliner Invalidenplatz zu lesen war, als Greta Thunberg dort sprach, vor wenigen Wochen. Damals sagte Jonas Sack, Sprecher von Fridays For Future, zu Cicero: „Wenn man sieht, es passiert wirklich nichts, kann ich mir schon vorstellen, dass dann irgendwann der Punkt eintritt, an dem man sagt: Okay, jetzt müssen wir mal unsere Aktionsform ändern. Ich weiß nicht, wie weit das gehen wird.“ Und auch damals saß schon die Antifa wie ein schwarzer Teppich auf dem grünen Rasen.

Solche Parolen tauchen bei Klimaaktivisten immer öfter auf, und sie beschreiben etwas Beunruhigendes: Einigen linken Klimaaktivsten geht es nicht nur ums Klima. Sie wollen den Systemwechsel, den „Kapitalismus wegbassen“, das sind ihre Worte. Die allgemeine Aufbruchstimmung, die alle durchdringt, eignet sich wie dafür geschaffen. Brandgefährlich ist das. Hier findet ein linksradikaler Ideenschmuggel statt.

Anmerkung: Wenn Sie freiwillig von einem 10 stöckigen Hochhaus springen, sind ihre Überlebenschancen gleich Null. Genau das passiert gerade. Es wird demonstriert für höhere Steuern sowie für einen Systemwechsel, dessen System noch nie funktioniert hat, ganz im Gegenteil. Das hat mit logischem Denken nichts mehr zutun, eher mit dämonischen Geistern. – Uriel Mann