Andrea Kiewel ärgert sich darüber, dass deutsche Journalisten beim Thema Israel so häufig scheitern

Ich war splitterfasernackt, als die Sirene losheulte. »Na, bravo«, dachte ich, »mein erster Raketenalarm in Tel Aviv, und ich habe nichts an!«

Heute vor zwei Wochen, genau um 21 Uhr, ich war kurz zuvor aus Berlin zurückgekommen, hatte ich mich am Airport Ben Gurion über die endlos langen Warteschlangen an der Immigration beschwert – Verzeihung, haben Sie denn kein Personal? Die Menschen kommen nach einem fast fünfstündigen Stunden Flug hier an, und das ist dann der erste Eindruck von Israel? –, sprang ins Taxi, danach direkt unter die Dusche und dann: ÜÜÜüüüüüüüüüüüüü ….

RAKETEN Die folgenden Tage waren zwar wackelig, aber ruhig, seit diesem Montag nun feuerte Gaza unaufhörlich Raketen auf Israel, die Sirenen in Aschkelon und Sderot heulten im Zehn‐Minuten‐Takt, die Hauptnachrichten‐Sendung des israelischen Fernsehsenders »Keshet« verlegten kurzerhand das Moderatorenpult aus dem Studio genau an die Grenze im Süden und berichtete live und open air direkt vom Ort des Geschehens.

Ich bin in Frieden aufgewachsen. Während meiner Schulzeit gab es hin und wieder einen Probealarm, um zu üben, wie wir Schüler uns zu verhalten haben, wenn ein Feuer ausbricht. Und wie alles in der ehemaligen DDR wurde daraus ein  Wettbewerb gemacht: Welche Klasse steht zuerst picobello aufgereiht auf dem Schulhof?

Ein Mal im Monat heulten mittwochs um Punkt 13 Uhr die Sirenen in Ost‐Berlin. Aber warum? Denn selbst wenn eine Bedrohung von jenseits des »antifaschistischen Schutzwalls« (Mauer) ausgegangen wäre, wohin hätten wir rennen sollen? Es gab weder Schutzräume noch Bunker. Bis heute habe ich diese Probealarme nicht verstanden.

IRRTUM Ebenso wenig verstehe ich einen Beitrag der ARD-»Tagesschau«, der am Dienstag gesendet wurde und mit den Worten beginnt: »Nach schweren Angriffen der israelischen Armee auf den Gazastreifen …«

Liebe Kolleginnen und Kollegen der ARD, Sie irren sich! Ich war vor Ort, als es losging mit den Raketen aus Gaza. Die Reaktion der israelischen Armee darauf war – wie der Name schon sagt – eine Reaktion. Man muss Israel nicht mögen. Man kann diesen Staat kritisieren, sich zur Brust nehmen und ihm viele Fragen stellen. Man muss aber, wenn man Journalist ist, die Wahrheit berichten. weiter