In einem sehr persönlichen Text setzt sich Anabel Schunke mit der schleichenden Brutalisierung der Gesellschaft und zunehmenden Entwertung der Frau auseinander.

Neulich teilte mir ein Leser mit, dass mein Ton sich mit der Zeit verschärft hätte. Etwas, das ich in den letzten Monaten schon einige Male zu hören bekommen habe. Dabei will ich nicht „schärfer“ klingen. Aber haben mich all die Geschehnisse der letzten zwei Jahre wirklich nicht verändert?  Wohin mit der Wut und Ohnmacht? Ist ein schärferer Ton per se schlecht und Ausdruck einer Selbstradikalisierung oder braucht es genau diesen, um Aufzurütteln, um nicht im Ist-Zustand zu verharren?

Vier exemplarische Fälle

In Hannover hat ein Mann eine hochschwangere Frau vergewaltigt. Fast zwei Stunden soll Naji N. (27) die Frau (22) misshandelt und sich an ihr vergangen haben.  Laut Anklage hatte der polizeibekannte Asylbewerber aus Marokko im Sommer 2015 die werdende Mutter gegen 3.20 Uhr am Ihmezentrum abgefangen. Nachdem er ihr auf den Kopf geschlagen hatte, soll er sie zu einem Fahrstuhl geschleift haben, wo er weiter auf sie einprügelte. Während er sich an ihr verging, soll er ihr immer wieder zynisch über den Babybauch gestreichelt haben. Mit letzter Kraft befreite sich die Frau mit Tritten von ihrem Peiniger. Über seinen Verteidiger lässt Naji N. erklären, dass er damals größere Mengen an Alkohol und Drogen konsumiert habe. Er habe deshalb keine Erinnerung an die Tat, sei aber „erschüttert“ darüber, was er der Frau angetan habe. http://www.bild.de/regional/hannover/prozess/in-hannover-vergewaltigung-schwangere-52520916.bild.html

Ähnliche Verlautbarungen auch von dem „Treppentreter von Berlin“, dem Bulgaren Svetoslav S. „Ich kann mir nicht erklären, wie es dazu kam.“ Zum Tatzeitpunkt sei er betrunken und im Drogenrausch gewesen. Auf den Videos sieht man Svetoslav S. jedoch nicht torkeln. http://www.swp.de/ulm/nachrichten/vermischtes/treppentreter-von-berlin_-keine-erinnerung-15311170.html. Ein Gutachten bescheinigt ihm darüber hinaus eine verminderte Schuldfähigkeit. Mit einem Intelligenzquotienten von 63 sei der 28-Jährige als geistig behindert einzustufen und könne nach einer Hirnverletzung seine Affekte nur eingeschränkt steuern.

Ob und zu welchem Strafmaß die beiden Täter verurteilt werden, steht noch aus. Anders verhält es sich im Fall des Berliner Obdachlosen, der von einer Gruppe junger Männer, bis auf einen allesamt unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die Ende Dezember letzten Jahres ein brennendes Taschentusch auf einen Obdachlosen in einer Berliner U-Bahn-Station geworfen hatten. Auch hier berief sich der Hauptangeklagte darauf, unter Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden zu haben.  Für den 21-Jährigen endete der Prozess mit einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Drei weitere erhielten jeweils eine Bewährungsstrafe von acht Monaten. Die zwei verbleibenden jungen Männer erhielten wegen unterlassener Hilfeleistung jeweils eine Strafe von vier Wochen Jugendarrest, der mit der Untersuchungshaft abgegolten ist. http://www.berliner-zeitung.de/berlin/polizei/urteil-wegen-feuerangriff-auf-obdachlosen-sie-waren-nicht-aggressiv–hatten-kein-motiv-27790416

Noch glimpflicher verlief es für den Angeklagten im Fall Niklas, Walid S. Zahlreiche Ermittlungspannen, wie u.a. der Verzicht eine Nahbereichsfahndung direkt am Tatort, verhinderten damals eine angemessene Spurensicherung. Dadurch, dass der Tatort „erst fünf oder sechs Stunden nach der Tat“ gesichert wurde, seien „mutmaßlich wertvolle Spuren beseitigt“ worden, so der Anwalt von Niklas Mutter. Dazu kamen mehrere Zeugen, von denen man sicher war, dass sie die Wahrheit kennen und sich doch vor Gericht einer Mitwirkung an der Aufklärung der Tat verweigerten bzw. schlicht die Unwahrheit aussagten. Am Ende verließ Walid S. als freier Mann den Gerichtssaal. http://www.express.de/bonn/urteil–freispruch-fuer-hauptangeklagten-walid-s—21–im-fall-niklas—17–26834130

Das Gerechtigkeitsempfinden auf der Probe

Es sind vier Meldungen, die exemplarisch für jene Nachrichten stehen, mit denen wir uns seit Beginn der Flüchtlingskrise nahezu täglich auseinandersetzen. Und auch wenn es selbstverständlich schon vorher in Deutschland zu allerhand kriminellen Delikten kam (wovon nicht wenige ebenfalls von ausländischen Tätern oder solchen mit Migrationshintergrund verübt worden), ist es spätestens seit der aktuellen BKA-Statistik von 2016 traurige Gewissheit, dass mit den Flüchtlingen und Migranten auch die rohe Gewalt zu uns kam. Um mehr als 50 Prozent ist die Zahl tatverdächtiger Zuwanderer im Vergleich zum Vorjahr 2015 gestiegen. Setzt man die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer in Bezug zur tatverdächtigen Gesamtbevölkerung, stellen sie daran 8,6 Prozent. Das klingt wenig. Allerdings machen Zuwanderer höchstens zwei Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland aus. Und auf einigen besonders brutalen Kriminalitätsfeldern fallen Zuwanderer besonders auf. 

Die Entwicklung war vorhersehbar. Zu einem Großteil handelt es sich bei den Tatverdächtigen um junge Männer ohne jegliche Perspektive. Allesamt aus Ländern, in denen rohe Gewalt, ein archaisches Weltbild und sonstige Kriminalität zur Tagesordnung gehören. Ebenfalls mit ihnen gereist, ist ein hoher Grad an Verachtung gegenüber der staatlichen Exekutive und Judikative. „Sie verachten uns und unser Land und lachen über unsere Justiz“, sagt Rainer Wendt, Vorsitzender der deutschen Polizeigewerkschaft. Schaut man sich die Selbstinszenierung einiger Clans wie den Mhallamiye vor Gericht an, wird klar, was Wendt meint. https://www.welt.de/vermischtes/article163972075/Hameln-soll-brennen.html

Vier Meldungen, die wie viele andere Meldungen der letzten Jahre das Zutrauen an den hiesigen Rechtsstaat auf eine massive Probe stellen. Die empfindlich am  Gerechtigkeitsempfinden nagen. Die wütend machen.

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