von Gastautor Dr. Wolfgang Hintze

An Herrn Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des deutschen Medienunternehmens Axel Springer SE Berlin, den 20. Juni 2017, per Mail.

Sehr geehrter Herr Dr. Döpfner,

vor nunmehr drei Jahren schrieb ich Ihnen einen Brief, der in sehr ähnlicher Form jedes Jahr geschrieben werden müsste. Diesmal wähle ich die Form eines offenen Briefes, um die Sache hinreichend bekannt zu machen.

Aktueller Anlass, mich wieder an Sie zu wenden, ist die vorbildliche Aktion der Bild-Zeitung, die mit der Veröffentlichung des Antisemitismus-Berichts von arte dem üblen Spiel der Rundfunkanstalten, diesen Bericht unter allerlei Vorwänden zurückzuhalten, schlagartig ein Ende gesetzt hat.

Im Jahre 2014 waren Sie gerade mit B’nai B’rith Preis ausgezeichnet worden und erklärten in Ihrer Dankesrede stolz und unüberhörbar „Ich bin ein nicht-jüdischer Zionist“ (http://www.welt.de/debatte/kommentare/article129001377/Ich-bin-ein-nichtjuedischer-Zionist.html). Sie setzten damit ein wichtiges Zeichen gegen den in Deutschland weit verbreiteten Antisemitismus, der sich in das Gewand des Anti-Israelismus und Antizionismus hüllt.

Drei Aspekte Ihrer damaligen Rede möchte ich gerne hervorheben, da man sie leider zu selten in Deutschland hört.

Wie auch von Henryk M. Broder immer wieder betont wird, werden in Deutschland mit Innbrunst vor allem die toten Juden “gerettet”, die heutigen lebenden Juden im Staat Israel jedoch heftig kritisiert und verunglimpft.

Sie weisen darauf hin, dass wir – d.h. der demokratische Westen – Israel auch aus Eigeninteresse unterstützen sollte. Bereits 1966 hatte der Philosoph Eric Hoffer in seinem berühmten Essay “Die Juden sind ein eigentümliches Volk” geschrieben: “wie es Israel ergehen wird, so wird es uns allen ergehen.” Mit fortschreitender Zeit tritt – für den, der sehen will – die Wahrheit dieser Vorahnung immer deutlicher zutage.

Schließlich ist Ihr Bekenntnis, ein deutscher Zionist zu sein – also ein unbedingter Befürworter der staatlichen Heimstatt der Juden in Israel – unter den heutigen Bedingungen des links-dominierten Diskurses damals mutig und heute noch mutiger. Besonders deshalb, weil viele betonen, zwar keine Antisemiten aber sehr wohl Antizionisten zu sein. Ihr Statement macht klar, dass Antisemitismus und Antizionismus zwei Seiten derselben Medaille sind.

Nun zu meinem Anliegen:

Seit Jahren findet in Berlin die größte antisemitische Massenveranstaltung Deutschlands statt (freilich ohne dass sie in den Medien so genannt wird). Es ist der 1979 von Ayatollah Khomeini ausgerufene AlQuds-Tag zur “Befreiung” Jerusalems, an dem sich tausende Muslime zu einem gespenstischen Marsch vereinen und unter Schwenken von Fahnen der Hisbollah und Mitführen von durchweg grün gefärbten Landkarten Palästinas lautstarke Parolen gegen die “zionistische Besatzung” und gegen den „Kindermörder Israel“ brüllen, de facto also die Vernichtung Israels fordern. In diesem Jahr ist es der 23. Juni.

Einmal wird der Aufmarsch unter das perfide Motto “Gemeinsam gegen Zionismus und Antisemitismus” gestellt, dann heizt der Veranstalter persönlich die Demonstranten mit der Parole „Der Zionismus ist das Krebsgeschwür der Menschheit“ an. Wie muss das für einen erklärten Zionisten wie Sie klingen?

Ich war als Anwohner selber bei mehreren dieser martialischen Aufmärsche auf dem Kurfürstendamm vor Ort und musste mit ansehen, wie diese Massen in militärischer Formation an zahlreichen Stolpersteinen vorbei zogen, über einen Boulevard, von dem einst Joseph Goebbels stolz meldete, er sei judenrein.

Leider ist die Gegenwehr relativ schwach, da man sich offenbar in Berlin bereits auf allen Seiten an diese Schreihälse gewöhnt hat.

Meiner Meinung nach muss diese Gleichgültigkeit aufhören. Gunnar Schupelius hatte ja einmal in der BZ gefragt: “Soll es erlaubt bleiben, in Berlin für die Vernichtung Israels zu demonstrieren?” Wenn es uns Ernst ist mit dem Kampf gegen Antisemitismus, darf diese skandalöse Veranstaltung nicht mehr stattfinden.

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