Wer ist Abbas wirklich?
In seiner Doktorarbeit relativierte er Hitlers Holocaust, als Schatzmeister der Fatah-Bewegung soll er Mitwisser des Anschlags von München 1972 gewesen sein: Jassir Arafats Nachfolger ist kein unbeschriebenes Blatt.
Das Bild des gemäßigten, des moderaten Palästinenserführers wird grau. Es bekommt Risse – betrachtet man die Zeugnisse von Freunden und Gegnern über Mahmud Abbas und dessen Selbstzeugnisse.
Genau daran erinnert Zakariya Zubeidi, wenn er Mahmud Abbas an dessen „stolze Haltung“ von Camp David erinnert. Sogar Jossi Beilin, Linksaußen der israelischen Politik und einer der wenigen Israelis, die ihr Vertrauen an die Palästinenser als Partner im Friedensprozess nicht ganz verloren haben, bezeichnet dessen Position in Camp David im Sommer 2000 als „noch extremer als die von Arafat. Abbas gehörte zu Arafats Bremsern während des Camp David-Gipfels“. Woraus der kein Hehl macht. „Jassir Arafat war in Camp David viel nachgiebiger als ich. Ich fühle keinerlei Bedauern. Was wir taten, war richtig“, kommentierte er die Ablehnung von Baraks umfassendem Angebot für einen palästinensischen Staat im Sommer 2000.
Für Mahmud Abbas ist das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge nicht verhandelbar. „Die palästinensischen Flüchtlinge haben das Recht behalten, in ihr Heimatland an jeden Ort zurückzukehren, den sie verlassen haben. Das ist nicht auf Land beschränkt, das unter der Souveränität der Palästinensischen Autonomiebehörde steht. Wir verlangen ihre Rückkehr nach Jaffa, nach Haifa und in die anderen Gegenden, aus denen sie kamen.“ Darauf beharrt Mahmud Abbas, und er weiß natürlich, dass das am Selbstverständnis Israels als jüdischem Staat rüttelt.
Der Mann, der in Safed in Galiläa 1938 geboren wurde und 1948 nach dem Unabhängigkeitskrieg mit seiner Familie vor der israelischen Armee floh, träumt noch heute den alten palästinensischen Traum von einer Rückkehr. Glaubt man Jassir Arafat, war „Abu Mazen Teil des Plans, Israel schrittweise zu erobern. Eine formelle PLO-Resolution, die diese Strategie beschrieb,’Stufenplan‘ genannt, wurde 1974 verabschiedet“, beschrieb Arafat die Position von Mahmud Abbas nach der Unterzeichnung der Oslo-Verträge.
Der steht dazu. Auch wenn er die Existenz Israels anerkennt, kann er das Rückkehrrecht der geflohenen sowie der 1948 von Israel vertriebenen Palästinenser nicht aufgeben. „Wir sagen dir, Palästina, dass wir zu dir zurückkehren werden, durch Allahs Willen; wir werden in jedes Dorf, jede Stadt und jedes Körnchen Erde zurückkehren, das durch das Blut unserer Großeltern getränkt wurde, aber das heißt nicht, dass wir Jerusalem und Haifa aufgegeben haben, Jaffa, Lod, Ramle, Netanya und Tel Aviv. Niemals. Wir werden, durch Allahs Willen, in jedes Dorf zurückkehren, aus dem wir vertrieben worden sind.“ Da klingt die Stimme des Rais. Des Alten.
Als er 2003 vor dem Gipfeltreffen in Aqaba von den USA gedrängt wird, die Existenz Israels nicht nur anzuerkennen, sondern auch ausdrücklich dessen Legitimität als jüdischen Staat, kann Mahmud nicht anders: Er weigert sich. „Bevor ich zum Gipfel von Aqaba reiste, war die Road Map ausgearbeitet. Ich stimmte den uns auferlegten Verpflichtungen zu, und dann forderten die Amerikaner von mir, dass ich in meiner Rede nicht ‚vergessen‘ sollte zu erwähnen, dass ‚Israel ein jüdischer Staat‘ sei. Ich lehnte dies ab, weil ich dies zu sagen nicht als meine Angelegenheit betrachtete und teilte ihnen das auch mit“, erklärt er später.
Kann er es nicht, weil er weiß, dass ihn dies in den Augen vieler Palästinenser als „Verräter“ brandmarkt? Jüdisch zu sein ist im palästinensischen Bewusstsein nicht Kennzeichen eines Volkes, gar einer Nation, sondern nur Merkmal eines Glaubens. Oder will Mahmud Abbas ganz einfach nicht? Israels Legitimität als jüdischem Staat anzuerkennen, ist ihm jedenfalls unmöglich. Das will nicht so recht passen zu dem Bild des intellektuellen Grandseigneurs, als der er in westlichen Medien gefeiert wird. „Mahmud Abbas ist ein hochintellektueller Mann, der in Ägypten Jura studierte, bevor er in Moskau seinen Doktor machte.“ So beschreibt ihn die BBC. Die New York Times charakterisierte den Autor mehrerer Bücher als „einen Juristen und Historiker. Er hat einen Doktor der Geschichte des Moskauer Orient-Kollegs; das Thema seiner Doktorarbeit war der Zionismus.“ Was BBC und New York Times nicht erwähnen, ist der Titel der Dissertation: „Die andere Seite: Die geheimen Beziehungen zwischen dem Nazismus und der Führung der zionistischen Bewegung“.