Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München, darf nicht behaupten, dass der Antizionist Abraham Melzer „für seine antisemitischen Äusserungen regelrecht berüchtigt“ sei. So urteilte das Münchner Landgericht, nachdem Melzer auf Unterlassung geklagt hatte.
Das Gericht erklärte zwar, dass Melzer mindestens drei Aussagen getätigt hatte, die man als antisemitisch bezeichnen kann. Jedoch sei er nicht für derlei Aussagen berüchtigt. Knobloch riskiert bis zu 250 000 Euro Ordnungsgeld oder sechs Monate Haft, sollte sie ihre Aussage wiederholen. Die 84-Jährige kann gegen das Urteil Berufung einlegen. Gegenüber Audiatur-Online wollte Knobloch sich nicht zu ihrer Prozessstrategie äussern, sagte jedoch: „Klar ist, dass ich das Urteil in dieser Form nicht akzeptieren werde“.
Ihr Kontrahent Abraham „Abi“ Melzer wuchs als Sohn von Schoah-Flüchtlingen in Israel auf und betrieb in Deutschland bis 2012 den von seinem Vater gegründeten Melzer Verlag. Programmschwerpunkt waren jüdische Themen und politische Bücher mit einer dezidiert israelfeindlichen Haltung. Melzer trat unter anderem 2015 auf eine Veranstaltung der Palästinensischen Gemeinschaft Deutschlands auf, die der Verfassungsschutz als deutsche Hamas-Unterstützerin einschätzt.
Dem Rechtsstreit Melzer/Knobloch vorausgegangen war der im Herbst in München geplante Vortrag „Antisemitismus heute“ Melzers, der nach einer ersten Raumabsage in den Räumlichkeiten des katholischen KKV Hansa-Vereins stattfinden sollte. In einer E-Mail an dessen Vorsitzenden schrieb Knobloch: „Speziell der Hauptreferent Abi Melzer ist für seine antisemitischen Äusserungen regelrecht berüchtigt“.
In einem Beitrag auf der Internetseite „Das Palästina Portal“ bezeichnete Melzer Bedienstete des israelischen Aussenministeriums als „Blockwarte“. Als Blockwarte wurden im Nationalsozialismus NSDAP-Funktionäre niederen Ranges bezeichnet, die für ideologische Linientreue sorgten und Ansprechpartner für Denunzianten waren. Auf seinem Blog „Der Semit“ titulierte Melzer Knobloch, den israelischen Botschafter Yakov Hadas-Handelsman sowie den Publizisten Henryk M. Broder als „Sayanim“ (hebräisch: Helfer). Sayanim stellen laut einem Gastbeitrag auf „Der Semit“ „weltweit die „Fünfte Kolonne“ des Mossad und des Zionismus dar“. In einem weiteren Beitrag schreibt Melzer zu Knobloch: „Sie spielt hier den jüdischen Clown neben Henrik M. Broder und empfängt ihre Befehle womöglich direkt vom Chef. Ihre Aufgabe lautet, Kritik an Israels Politik zu verhindern, denn Kritik an Israel sei Antisemitismus. Dabei sind sie, Broder und Netanjahu die Antisemiten-Macher“.